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Kein Jubelbericht...aber WAHR!
Den letzten Jahreswechsel habe ich mit meiner Tauchpartnerin Annemarie Grove im neueröffneten 3 ½ Sterne Hotel Zabargad
bei Hamata (südliches Rotes Meer, kurz vor der Grenze zum Sudan) verbracht – oder sollte ich eher sagen erlitten...
Seitens des Veranstalters ORCA REISEN GmbH
erfolgte keinerlei Hinweis auf die zahlreichen Mängel und den jämmerlichen Zustand der gesamten Anlage. In Gesprächen mit anderen Gästen wurde mir mitgeteilt, dass ein Teil der Gäste entsprechende Informationen, verbunden mit einem Angebot von Preisnachlass bekommen hatten. Zu diesem erlauchten Personenkreis gehörten wir jedoch nicht.
Die Mängel im Detail:
Bungalow # 403
Vom ersten Tag an klemmte die Eingangstür und ließ sich nur öffnen indem man sich von außen mit dem Körper gegen die Tür warf.
Später klemmte die Tür so stark, dass ein Öffnen von Innen (ziehen) unmöglich war. Das Verlassen des Zimmers erfolgte durch das Fenster, öffnen der Tür von
Außen (s.o.), schließen des Fensters und schließen der Tür. Dieser Mangel und zahlreiche weitere Mängel wurden am 25.12.01 der Tauchbasis „ORCA Diving
Center Zabargad“ gemeldet – diese wurde beim Vorstellungsgespräch als örtliche Reiseleitung deklariert. Am 31.12.01 wurde dieser eine Mangel behoben – alle
anderen blieben bis zum Urlaubsende erhalten. Die Tür zur Toilette ließ sich nicht schließen – dazu hätte man am Türblatt etwa 1 cm abhobeln müssen. Es
gehört nicht zu unseren Gewohnheiten bei offener Tür die Notdurft zu verrichten (wie oben erwähnt sind wir Tauchpartner, keine Ehepaar, Lebensgemeinschaft
o.ä.) und anschließend die Düfte im Zimmer zu genießen. Es gab keinen Halter für das Klopapier, keine Halter für die Handtücher, keine Möglichkeit die
Badesachen zu trocknen und keine Duschmatte. Der laut Prospekt „komfortabel eingerichtete“ Bungalow glänzte durch das Fehlen von Tisch und Stühlen,
Nachttischlampen, Telefon (zumindest für Anrufe innerhalb der Anlage) – selbst ein Schild „Bitte nicht stören“ war nicht vorhanden. Als Sahnehäubchen wurde
immer wieder der Strom abgestellt. Für Taucher wichtig: bereits ladende Akkus sprangen wieder in die Entladefunktion um und waren zum gewünschten Zeitpunkt
entladen statt geladen. Kein Strom hieß aber auch kein Wasser, also nur einmal Wasserspülung auf der Toilette, kein Duschen. Positiv war der Putzmann -
alles war tiptop sauber. Sogar nach dem überraschenden Gewitterguss am 30.12., als in allen Zimmern nachmittags das Wasser zentimeterhoch stand, war abends
davon fast nichts mehr zu sehen (der Ärmste hat wirklich gewirbelt).
Anlage als Ganzes (am Eingangstor prangen 4 (!) Sterne)
Da die Anlage auf 200 Bungalows konzipiert ist, von denen erst ¼
„fertig“ gestellt ist, kann man wohl getrost von einer einzigen großen Baustelle sprechen. Die Wege sind größtenteils unbefestigt, besonders im Bereich von Treppen nicht oder nur unzureichend beleuchtet. Zahlreiche ungesicherte (keine Abdeckung, kein Flatterband, keine Beleuchtung) Schächte für die Pumpen sorgen für ein erhebliches Unfallrisiko – das dürfte für Sie als Reiseveranstalter aus haftungsrechtlichen Gründen interessant sein. Auch die Verlegungsarbeiten in Sachen Elektroleitungen waren nicht ohne Risiko: Abends wurden Gräben ausgehoben – selbstverständlich auch quer über die Wege und völlig ungesichert – ein Wunder, dass nachts niemand gestürzt ist. Des weiteren dürfte bei dem vorgelegtem Bautempo der „große Swimmingpool“ erst in vielen Monaten fertig gestellt sein. Es fehlt in der Anlage ein Aufenthaltsraum in dem man gemütlich sitzen und seine Tauchererlebnisse austauschen kann. Die Wasserpfeifenecke kann man dazu nicht benutzen – spätestens nach einer halben Stunde hat man erhebliche Kreuzschmerzen und an der Bar neben der Tauchbasis hält man es im eiskalten Wind auch nicht lange aus – trotz Kapuzen-Sweatshirt.
Hauptrestaurant
Der große Raum hat die Atmosphäre eines Bahnhofswarteraums (obwohl ich auch da sehr nett eingerichtete kenne) – ein kleines
Bildchen an einer Wand ist doch arg wenig um Gemütlichkeit zu erzeugen. Das Essen wurde offensichtlich im Laufe des Tages erstellt, abends überwiegend
kalt auf die Warmhalte-Geräte gestellt und dort erwärmt – mit etwas Glück und fischen direkt über der Flamme kam man so zu lauwarmen Essen. Meistens war es
trotzdem schnell kahlgefressen und es wurde fast nie nachgelegt – wenn man von den „Sättigungsbeilagen“ mal absieht. Die Toiletten im Restaurant bildeten
den würdigen Rahmen für diese 3 ½ Sterne Anlage: Ohne jegliche Tür (das hat den Vorteil dass sie nicht klemmen können), die Wasserspülung abgestellt. Als
Sahnehäubchen wurde in den letzten Tagen Dosenbier ausgeschenkt...
Positiv waren die schon fast übereifrigen Kellner: kaum hatte man die Gabel hingelegt, schon verschwand der Teller.
„Snack“-Bar
Ich bin immer noch nicht sicher, ob mit der im Katalog erwähnten „Snack Bar“ die Bar neben der Tauchbasis gemeint ist, schließlich
waren da noch zahlreiche andere Gebäude, die wohl auch mal Bars oder so etwas werden sollen. Da diese Bar jedoch die einzig geöffnete war, gehe ich davon
aus, dass sie gemeint ist. Die erste Vermutung war, dass mit snack das norddeutsche „schnacken“ = reden gemeint war... aber am vorletzten Urlaubstag
(05.01.02) tauchte wirklich eine Speisekarte auf. Da es kein Telefon gab, ging der Snack-Bar-Kellner ins Hauptrestaurant, gab dort die Bestellung auf und
brachte von dort das Essen rüber in die Snack-Bar – trotz Verpackung mit Aluminium-Folie nahezu eiskalt. Auch hier: Keine Türen zu den Toiletten, dafür
funktionierte die Wasserspülung – aber es fehlten die Klobrillen. Nochmals erwähnt: 3 ½ Sterne Anlage laut ORCA REISEN Prospekt
Rezeption
Die eigentlichen Aufgaben der Rezeption wurden ordentlich erledigt, aber der Geldwechsel läßt sich einfach nur mit Betrug
beschreiben...Wechselkurse wurden willkürlich festgelegt, Hinweise auf die offiziellen Wechselkurse abgewimmelt mit dem Hinweis, man könne sein Geld ja
auch woanders wechseln gehen... Aber wo denn? In Hamata? Mit dem Taxi nach Marsa Alam fahren? In meinen Augen eine Unverschämtheit – da komme ich gleich
zur unrühmlichen Rolle der Reiseleitung...
Reiseleitung
Bei der Abholung am Flughafen Marsa Alam habe ich die Reiseleitung gefragt, ob ich Geld besser am Flughafen wechseln soll oder im
Hotel – da wurde mir ausdrücklich empfohlen das Geld im Hotel wechseln zu lassen.
Einige Zeit vor dem Abflug hatte ich bei ORCA REISEN angerufen und gefragt, ob ich in Zabargad mit Karte bezahlen kann – das wurde
fälschlicherweise verneint. Auch bei diesem Telefonat kam der Zustand der Anlage mit keinem Wort zur Sprache – die fehlende schriftliche Information habe
ich schon anfangs erwähnt. Die eigentliche Reiseleitung (Erni ?) ist in Safaga, telefonisch nicht zu erreichen (da es kein Telefon gibt) und kommt nur
1mal pro Woche ins Hotel um die Beschwerden entgegen zu nehmen und beheben zu lassen, soweit das überhaupt geht. Ihr habe ich bei der ersten Gelegenheit
(am 28.12.01) eine handgeschriebene Mängelliste übergeben. Am nächsten Tag erfolgte ihrerseits das Angebot gegen Aufpreis nach Shams Alam umzuziehen, da
die Mängel nicht behebbar seien. Wir lehnten dieses Angebot ab, da wir dort schon waren und wir dieses weit im Süden gelegene Ziel gebucht hatten um die
südlichen Riffe zu betauchen – die von Shams Alam aus unerreichbar wären. Wir haben Erni klar zu verstehen gegeben, dass wir den Luxus nicht brauchen, aber
wenn wir ihn schon bezahlen müssen, dann wollen wir ihn auch haben – oder einen erheblichen Preisnachlaß.
Kleinere Mängel wurden mündlich bei der Tauchbasis gemeldet – aber wie man bei uns im Südhessischen sagt: Da hätte ich genauso
gut mit meinem Schuhschrank reden können...- das Ergebnis war das Gleiche.
Tauchen
Das Hausriff lässt sich nur bei nahezu völlig ruhiger See gefahrlos erreichen und betauchen – ich wurde Zeuge eines Unfalls...Da
man nie sagen kann, die See bleibt während des Tauchgangs ruhig, bleibt ein erhebliches Restrisiko: Bei ruhiger See rein, bei rauer See raus. Das
„exquisite“ Hausriff ist ganz nett, der terrassenförmige Abfall war an den von mir betauchten Stellen nicht zu erkennen, dafür ausgedehnte Sandflächen mit
gelegentlichen Korallenblöcken – aber für ein Hausriff wirklich nicht schlecht. Sollte der Zugang mittels des angeblich geplanten Stegs möglich sein –
durchaus zu empfehlen.
Trotz Angebot im Katalog war es nicht möglich mit NITROX zu tauchen oder einen Rebreather Kurs zu belegen. Die Schiffe haben
keinerlei Funkverbindung zur Basis, im Falle eines Tauchunfalls ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Die Kisten mit den Tauchsachen rutschten bei rauer See
ungesichert an Bord herum, teilweise (MS Karine) sogar die Pressluft-Flaschen. Die Organisation der Fahrten war alles andere als professionell: Wenn in der
ganzen Region 3 Schiffe fahren, die alle unter der Leitung der Basis sind, dazu noch ein Safari-Boot (MY Admera), dann sollte es doch machbar sein, dass
nicht 2 der 3 Boote zum gleichen Riff fahren, bzw. dass am 02.01. sogar am gleichen Platz getaucht wird. Für Rudeltauchen fahre ich nicht in so entlegene
Gebiete. Bei der Rückkehr zur „Marina“ gab es immer wieder das gleiche Bild: alle Boote kommen nahezu zeitgleich zurück – das heißt, die Hälfte der Leute
musste im eisigen Wind auf die nächste Fahrt des Transfer-Gefährts (Bus wäre wirklich übertrieben – wir nannten es nur Kameltransporter) warten. Da die
Boote vorher mindestens 1 Stunde lang Blickkontakt hatten, wäre das ohne jegliche Probleme zu vermeiden gewesen, man bräuchte nur etwas langsamer fahren...
Positiv möchte ich jedoch vermerken, dass die angefahrenen Riffe wirklich toll sind!
Flug
Dieser Bereich stellt einen Teil der verkorksten Urlaubs dar. Die Vorliebe von CONDOR für organisierte Verspätungen (alle Maschine
treffen sich in München und fliegen erst dann los, wenn auch die letzte eingetroffen ist) und das Chaos im Müchner Flughafen sind allgemein bekannt. Ich
hatte mir schon vor geraumer Zeit vorgenommen nie wieder über München zu fliegen und CONDOR ist im Bereich Service für mich eine der schlechtesten
Fluggesellschaften... Also Hinflug: Ungefragt saßen wir im Raucherabteil, ich vergaß, dass CONDOR keine Nichtraucher-Flüge hat, wie es bei vielen
anderen Fluggesellschaften üblich ist. Landung pünktlich in München, warten auf die Maschine aus Bremen. Warten heißt im Münchner Flughafen irgendwo
rumstehen, denn nicht einmal für die Hälfte der Wartenden gibt es Sitzplätze. Es wurde über Lautsprecher wegen der ungewöhnlich langen Wartezeit ein
Frühstück angekündigt – das einfach nicht stattfand.
Rückflug: Landung pünktlich in München, diesmal warten auf die Maschine aus Fuerteventura. Landung in Frankfurt: Ein Gepäckstück
mit Tauchausrüstung fehlt.
Service während der Flüge, oh weh, das kenne ich von zahlreichen Fluggesellschaften aber ganz anders!
Zusammenfassend kann ich nur sagen, daß es für mich in keiner Weise nachvollziehbar ist, wie ORCA REISEN GmbH dazu kommt, Zabargad als 3-Sterne Anlage
anzubieten. Damit ruinieren sie leichtfertig ihren Ruf ein hervorragender Tauchreise-Veranstalter zu sein. Wenn die Anlage weiterhin im Angebot behalten
werden soll, würde ich dringend zur Ehrlichkeit raten, ansonsten wären die langfristigen Verluste sicherlich größer als der kurzfristige Gewinn. Viele
Gäste waren in Zabargad am überlegen, ob sie rechtliche Schritte gegen ORCA REISEN GmbH einleiten sollen, etliche werden es auch tun – zufriedene Gäste
waren nicht zu finden, auch die nicht, die weniger als wir bezahlt hatten.
Erwin Köhler
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