Wracktauchen in Finnland:
Erstmal ein paar allgemeine Informationen...
Finnland ist bekannt als das "Mecca" des Wracktauchens. Das Meerwasser enthält nur 0,3% Salz und das läßt die "Wrackwürmer" nicht überleben und die
können somit die Wracks nicht zerstören. Ausserdem ist das Baltische Wasser relativ ruhig und die Wracks bleiben an dem Ort, an dem sie gesunken sind.
Hanko ist ein finnischer Hafen, der gleichzeitig die Südspitze Finnlands bildet. Er liegt 127 km von Helsinki entfernt (siehe Bild).
Da ich aus beruflichen Gründen seit August 2002 in Helsinki wohne fuhr ich zusammen mit einem finnischen Arbeitskollegen Mitte August 2003 nach Hanko. August 2003 war
der Sommer mit den über 40 Grad in Deutschland und sogar hier in Finnland konnte man in kurzen Hosen und T-Shirt auf die Strasse. Ich hatte meine Tauchausrüstung von
Deutschland mitgebracht (7 mm Anzug mit Kapuze und Unterzieher) und dachte das reicht eigentlich.
Das dachte ich auch noch als mein finnischer Kollege mir sagte, er miete sich wieder den Trocki (weil er doch mit dem seinen Tauchschein gemacht hat und noch nie naß
getaucht war).
Am Hafen von Hanko angekommen gings dann auch gleich aufs Boot. Von dem Jahrhundertsommer der zu dieser Zeit in Deutschland herrschte war hier jedoch wirklich nichts
vorhanden. Es regnete und das Boot wurde gleich nachdem es losgefahren war von den Wellen hin und hergeschmissen.
Auf der Fahrt zur ersten Tauchstelle waren wir mit noch drei anderen Tauchern und dem Fahrer des Bootes in der engen Kajüte des Bootes eingepfercht und ich versuchte
nur - weil ich relativ schnell seekrank werde - durchs Fenster auf den Horizont zu schauen was aber gar nicht so leicht war, weil es für das Fenster einen
Scheibenwischer gab der nur äußerst sparsam ab und zu mal manuell eingeschaltet wurde.
Irgendwer hielt mir dann noch ein Buch über die Wracks, die wir besuchen wollen unter die Nase und irgendwie schaffte ich es kurz draufzuschauen, dann die Person mit
dem Buch kurz interessiert anzulächeln und wandte mich dann wieder meinem Horizont zu. Immerhin hatte ich auf dem Buch ein Wrack erkannt das wie ein Gerippe - die
lange Stange in der Mitte und links und rechts gebogene "Rippen" fein säuberlich auf dem Meeresboden lag.
Kurz darauf waren wir an unserer ersten Tauchlokation, die "Garpen" hieß angekommen. Mir war schon ziemlich schlecht, das Boot schwankte wild hin und her und
die Herausforderung war nun, den Tauchausrüstung anzulegen.
Die Finnen waren aber alle richtig hilfsbereit und ich sah zu, daß ich ziemlich schnell ins Wasser kam, wo es mir dann auch schon besser ging.
Im 17 Grad (kalten oder warmen je nachdem) Wasser ging es dann an einer Leine auf 13 Meter runter zu dem Schiffsgerippe das wirklich so säuberlich wie in dem Buch auf
dem Meeresboden aufgereiht war. Das konnte man trotz der Sicht, die nicht übermäßig gut war erkennen. Ganz nett, aber ein richtiges Wrack war das eigentlich noch nicht.
Nachdem wir wieder aufgetaucht waren ging es weiter. Das Wetter war etwas besser, das Schwanken war bedeutend weniger geworden und zu meiner Überraschung konnte ich
jetzt feststellen, daß in dem Buch, das mir wieder unter die Nase gehalten wurde nicht nur Bilder sondern auch Text war.
Dort stand das das nächste Wrack, das wir besuchen werden, die Osborne & Elisabeth war, ein englisches Schiff, gebaut in 1857, gesunken in 1873 und intakt gefunden
in den 90er Jahren. Die Frontfigur war beim Fund noch an ihrem Platz und wurde von Tauchern bewundert, aber sie fiel 2001 runter. Man denkt daran sie durch eine Kopie
als Plastik zu ersetzen
An unserer zweiten Lokation wo die Osborne & Elisabeth liegt und die auf finnisch "Keulakuva" heißt angekommen gab es dann erst mal die für's Wracktauchen
übliche Belehrung: "Niemals ins Wrack reingehen! Nicht vergessen, dass man nicht in das Wrack reingehen darf! Und auf gar keinen Fall ins Wrack reingehen!"
Dann ging's runter auf 18 Meter wo das Wasser jetzt 15 Grad kalt war. Aber dafür wurden wir wirklich mit einem klasse Wrack belohnt. Das besondere war das das fast 150
Jahre alte Wrack völlig aufrecht stand, wie als würde es gerade schwimmen und wirklich völlig intakt war. Beim Drüberschwimmen konnte man durch eine Luke auch ins
Innere schauen aber nicht so viel erkennen, weil die Sicht nicht die beste war.
Wieder an Bord wurde dann gefragt, wer denn noch zur dritten Lokation wollte und 2 der 3 anderen die noch auf dem Boot waren wollten nicht und wir mussten sie zurück an
Land bringen. Mir war mittlerweile auch schon ganz schön kalt geworden, denn es gab keine richtige Möglichkeit sich umzuziehen und so mußte ich den Tauchanzug bis zum
nächsten Tauchgang anbehalten.
Weil wir die 2 anderen noch an Land bringen mussten dauerte die Fahrt zur dritten Lokation dann auch entsprechend länger. In dem nassen Tauchanzug zitterte ich schon
ein bisschen und fragte mich, wie ich wohl den 3. Tauchgang überleben sollte, da erinnerte ich mich an einen alten Tauchertrick: An Bord gab es nämlich Kaffee und ich
trank ganz ganz viel davon... "Wie, von Kaffee wird einem warm?" mag jetzt vielleicht der kritische Leser fragen, "wenn man viel Kaffee trinkt muß man
doch nur Pippi!". Ja, klar.
Die nächste Lokation lag direkt an einer kleinen Insel, wo es einen Steg gab, an dem zahlreiche Yachten festgemacht hatten. Man erzählte uns, daß hier das sogenannte
"Kabelschiff", auf finnisch "Kaapelihylky" liegt. Das Wrack heißt deswegen so, weil es gefunden wurde, als man ein Kabel von dieser Insel zur
nächsten legen wollte. Tatsächlich wurde das Kabel auch gelegt - und zwar mitten durch das Schiffswrack durch. Ich wunderte mich schon ein bisschen, wie man so blind
sein kann und ein Kabel mitten durch ein Schiff legen kann - aber in wenigen Minuten sollte ich die Antwort darauf selbst "sehen".
Wir tauchen ab. Das Wrack sollte auf 15m liegen und man sagte uns, wir können dort auch das Kabel sehen und uns am Kabel orientieren. Kurz nach dem Abtauchen erlebte
ich etwas, was ich noch nie bei einem Tauchgang erlebt hatte: Die Sicht war nicht 0 Meter. Die Sicht war nicht 0 Zentimeter. Die Sicht war nicht 0 Millimeter! Eine
Sicht war einfach nicht vorhanden! Es machte eigentlich nichts aus, ob man die Augen schloss oder nicht. Ja gut, wenn man sehr nah an einem anderen Taucher war, gab es
ab und zu kurze Reflexe von dessen Flasche oder anderen hellen Teilen. Ich hielt mich an die Reflexe von unserem Guide und tauchte mit diesen Reflexen auf 15m runter
und dann wieder rauf. Gesehen hatte ich nichts (ausser den Reflexen) aber ich war wohl am Kabelschiff gewesen und wußte die Antwort auf die Frage, wie man es fertig
bringen kann, ein Kabel mitten durch ein Schiffswrack zu ziehen...
Es ging zurück an Land und nachdem wir uns umgezogen hatten kam noch die letzte Überraschung des Tages: Als es zur Bezahlung ging meinte der Kapitän, der wohl den Trip
veranstaltet hatte, gönnerisch zu mir "Also für Dich macht das 130 Euro aber weil Du ein Freund von Juha (meinem Arbeitskollegen) bist, sagen wir 90!". Ich
gab dem gönnerischen Kapitän also mein ganzes Geld und lieh mir noch 20 Euro von meinem Arbeitskolllegen, um den Sonderpreis aufbringen zu können. Der
"Sonderpreis" vor den Arbeitskollegen lag übrigens bei etwa 150 Euro, weil er sich ja noch den Trocki geliehen hatte...
Trotzdem, alles in allem habe ich einige besondere Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte. Und ein super Wrack gab's ja auch. Wenn Ihr mal in Finnland seid
sollted Ihr Euch das auf keinen Fall entgehen lassen.
Thorsten Buchinger
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