Caniço de Baixo auf Madeira – Kleinod im Atlantik
Nähert man sich der Hotelanlage von der Seeseite her, fällt als erstes der Fahrstuhl in’s Auge, der die oben an der Steilküste gelegenen
Hotelanlage mit dem Meerschwimmbad und der Tauchbasis verbindet. Sehr praktisch und wirklich etwas Besonderes. Wie auch sonst dieser Tauchurlaub, der eigentlich nur
ein Ersatz für Ägypten sein sollte.
Das Tauchen
Die Tauchbasis Manta-Diving Center steht unter der Leitung von Stefan Maier. Außer ihm gibt es noch einen weiteren Tauchlehrer, sowie bei
Hochbetrieb zusätzliche Hilfskräfte. Wir waren zwischen dem 16. Und 30. Oktober 2001 dort; in der ersten Woche halfen der Vater des Basisleiters, ebenfalls ein
erfahrener Taucher, aus sowie ein weiterer Guide. Die Basis ist quasi in den Felsen gebaut und liegt direkt am Meer. Der Zugang zum Wasser ist relativ bequem auch mit
Ausrüstung zu bewältigen: Entweder über Leitern / Treppen oder aber bei Flut und hohem Wasserstand mit dem großen Schritt nach vorn. Ein Hauch von Abenteuer ergibt
sich dadurch, daß bei Wind und Wellengang relativ starke Brandung herrscht, die den Einstieg und vor allem den Ausstieg zu einer gewissen sportlichen Herausforderung
werden läßt: Flossen im Wasser ausziehen, warten bis man von der nächsten Welle in die Nähe der Leiter geschleudert wird oder kräftig schwimmen und FESTHALTEN.
Brandung und Wellengang sind unter Wasser aber nur noch als Dünung zu spüren und sind schnell vergessen, wenn man abtaucht. Und da tut sich wirklich eine tolle
Unterwasserwelt auf! Als Insel vulkanischen Ursprungs besteht das Tauchgebiet aus Felsblöcken in oft atemberaubenden Formationen, bewachsen mit Goldschwämmen und
anderen sessilen Meeresbewohnern oder auch weiten Sandflächen mit riesigen Feldern mit Röhrenaalen. Das Wasser war mit 23°C angenehm warm, Anzug ohne Jacke war
vollkommen ausreichend. Die Sicht war mit ca. 20-30m überwiegend hervorragend. Die Besonderheit des Tauchgebietes besteht nun darin, daß es direkt in einem
Unterwassernaturschutzpark liegt, in dem sich außer angemeldeten Tauchbooten keine Boote bewegen dürfen und in dem Angeln und Harpunieren verboten sind. So zeigen die
Fische keinerlei Angst und lassen den Taucher mitten durch ihren Schwarm tauchen oder in Zentimeterabstand vorbeischwimmen.
Direkt an der Basis liegen 3 Tauchgebiete. Der „Lavafinger“ ist eine bis auf knapp 30 Meter abfallende Felsformation, die auch für Anfänger einfach zu betauchen ist und
in den Felsspalten Bärenkrebse, verschiedene Garnelenarten, Feuerwürmer und Muränen bietet. Von letzteren gibt es Schwarze Muränen, Tigermuränen und „Esmeralda“, eine
braune Maskenmuräne, die in ihrer Höhle regelmäßig von den Tauchern „besucht“ wird und auf leichtes Klopfen hin „guten Tag“ sagt. Das zweite Tauchgebiet führt via
einem riesigen Goldschwamm in die sogenannte „Arena“: Ein halbkreisförmiges Riff, über dessen Rand man sich von 10 auf etwa 20 Meter auf den Sandgrund herunterfallen
läßt. In den Höhlen und Nischen des Felsens findet man wieder Garnelen, Bärenkrebse und gelegentlich eine Sepia. Im Zentrum der Arena ist ein etwa 8m breiter, ca. 10m
langer Durchbruch, der gut zu betauchen ist, und aus dem man die Arena verläßt. Man taucht dann zurück entlang der Felsblöcke entlang einer Sandfläche, über der
riesige Fischschwärme stehen, zwischen denen Zackenbarsche patroullieren. Eine wirkliche Überraschung war der Fischreichtum. Durch den Golfstrom gibt es eine große
Anzahl auch tropischer Arten, die man vom Roten Meer kennt. Eine kleine Auswahl der Fische, die wir gesehen (und erkannt...) haben: Ährenfische, Goldstriemen,
Neon-Riffbarsche, Papageienfische, verschiedene Lippfischarten, Drückerfische, viele Arten Kugelfische, Petermännchen, Meerjunker, viele Brassenarten, Stachelmakrelen,
etc. Außerdem Trompetenfische und als Highlight ein großer Schwarm Baracudas, den wir dort regelmäßig angetroffen haben. Auch die Arena konnten wir nach zweimaliger
Führung ohne größere Schwierigkeiten mit Kompasshilfe finden und allein betauchen.
Das dritte Tauchgebiet ist eine Höhle, die etwas weiter entfernt liegt (hinschnorcheln) und die sich von einem etwa 10 Meter breiten und ebenso hohen Eingang etwa 50 –
60 m in den Felsen hinein erstreckt. Den Eingang sieht man von jedem Punkt der Höhle aus, sodaß der Tauchgang auch für Open Water Diver nicht sonderlich gefährlich ist
– zumal man im Zentrum der Höhle in einer Luftblase auftauchen kann!
Die Tauchbasis verfügt auch über ein Boot, das 11 – 12 Taucher bequem transportieren kann. Dreimal in der Woche werden Bootstauchgänge zu
verschiedenen Tauchgebieten angeboten, die zwischen etwa 8 und 15 Minuten Fahrzeit entfernt liegen. Das „T-Reef“ sind zwei aus etwa 30 Meter aufsteigende Untiefen und
attraktiv wegen der vielen Muränen, die dort die Höhlen im Felsen bewohnen. Das absolute Highlight war jedoch „Garajau“, das Reich der Zackenbarsche. Dort leben jede
Menge wirklich zahmer Zackenbarsche, die auf Armeslänge heranschwimmen und von denen einige mit ca. 1-1,5 m von eindrucksvoller Größe sind. Als Besonderheit gibt es
dort ein leuchtend gelbes Exemplar. Dieses Tier ist dort seit ca. 20 Jahren bekannt (und in jedem Tauchführer abgelichtet) und mehrmals im Jahr zu bestimmten Zeiten in
Garajau anzutreffen. Wir hatten Glück und konnten diesen Barsch bewundern.
Die Tauchbasis bietet auch Nachttauchgänge an, an denen wir aber nicht teilgenommen haben.
Sowohl das Tauchen als auch das „Drumherum“ waren ausgezeichnet. Wir haben uns hervorragend betreut gefühlt. Auf Wunsch war immer eine Begleitung möglich, und auch bei
Alleintauchgängen war immer ein Briefing zu haben oder Tipps, wenn wegen Brandung das Ein- und Aussteigen etwas schwieriger wurde. Die Basis war gut organisiert und
machte einen sauberen und vertrauenswürdigen Eindruck. Es gibt 10 und 12L Stahlflaschen sowie eine „dicke Berta“ für „Luftfresser“ (Zitat des Guides). Als einziger
kleiner Nachteil ist der Trockenraum zu nennen, der eigentlich eine in den Fels gehauene Höhle war und in der die Ausrüstung nicht richtig trocknen konnte. Das Säubern
hingegen war kein Problem: Da die Tauchbasis in die Meereschwimmbadanlage quasi integriert ist, gibt es überall Duschen, unter denen man sich nach dem Tauchgang in
voller Montur einfach stellen und abduschen konnte. Sehr praktisch.
Und hier ist die Adresse: Barakuda Club Manta Diving Center Gabriele & Stefan Hotel Galomar P-9125 Caniço de Baixo / Madeira
Tel. und Fax: 00351-291-93 55 88 Web: http://www.mantadiving.com e-mail: stefan@mantadiving.com
Das Hotel
Die Hotelanlage besteht aus zwei Häusern, einem 4-Sterne „Wellness“ Hotel (Hotel Ondamar) und einem 3-Sterne Haus, dem Galomar Hotel, in dem
die meisten Taucher und auch wir gewohnt haben. Gut und vollkommen ausreichend: Die Zimmer gibt es mit und ohne Balkon; sie sind groß, sauber, haben Fernseher und im
Bad Fön und große Poolhandtücher, sodaß man sich die Mitnahme von Handtüchern für’s Tauchen sparen kann. Die Angebote des Hotels können von Gästen beider Häuser
genutzt werden. Es gibt einen Süßwasserpool, ein wirklich großes Sportangebot mit ausgezeichnet ausgestattetem Fitnesscenter sowie Kosmetik, Massage, Physiotherapie
und Animation für die ganze Familie. Damit bietet das Hotel auch für nicht-tauchende Partner Abwechselung. Das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend, die Damen
an der Rezeption sprechen alle gut deutsch, und z.B. ein Auto zu mieten war völlig problemlos und easy: Bei der Rezeption Bescheid sagen, ein Anruf wird getätigt,
Zimmernummer angeben und am nächsten Morgen steht das Auto vor der Tür.
Die Gastronomie
Es empfiehlt sich, das Hotel nur mit Frühstück zu buchen, das wirklich ausgezeichnet ist. Zum Hotel gehören mehrere Restaurants, ein
Fischrestaurant, eine Pizzeria, ein „Pancake House“ (Pfannkuchen und Snacks) sowie ein Buffetrestaurant. Nach einem Abend im Fischrestaurant (nicht überwältigend) und
in der Pizzeria (Essen gut aber schlechter Service) sind wir immer außerhalb des Hotels Essen gegangen. Es gibt in der näheren Umgebung viele zu Fuß erreichbare
Gaststätten mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Unsere Lieblingsrestaurants waren das „Cafe Rustico“ zu dem man zwar den Berg „hinaufkraxeln“ muß, aber dann auf
der Terrasse sitzen kann und mit einem wunderschönen Blick über den Atlantik belohnt wird. Ein weiterer Favorit war das Restaurant „Aléma“ (diese
Tomaten-Zwiebelsuppe.....) und das Restaurant „Villa Ventura“: Dort konnte man in einem windgeschützten Garten sitzen, und es gab jeden Abend 2 Gerichte (Fisch und
Fleisch) zur Auswahl, die im Freien in einem Ofen zubereitet wurden. Dazu köstliches warmes Brot mit Knoblauchbutter (inkl. Knoblauchstückchen!). Wenn man sich nichts
daraus macht, die Verwandten der Tierchen, die man tagsüber beim Tauchen bewundert hat abends auf seinem Teller zu sehen, kann man überhaupt den Fisch nur empfehlen.
Spezialität auf Madeira ist der Schwarze Degenfisch, Espada. Die Preise sind moderat: Hauptgerichte bekommt man zwischen 16 und 20 DM. Das große Dekobier kostet
zwischen 4 und 5 DM.
Der Reiseveranstalter und die Organisation
Spillmann ist auf Tauchreisen spezialisiert, und wir hatten an der gesamten Reise nichts auszusetzen. Es gibt vor Ort keine Reiseleitung, aber
die hat man auch nicht vermisst. Transfer vom und zum Flughafen wurde vom Hotel organisiert und klappte hervorragend; geflogen sind wir mit Condor, also auch kein
Grund zur Beunruhigung. Das Tauchpaket konnte man im voraus buchen.
Hier die Adresse:
Spillmann Tauchreisen
Bahnhofsplatz
74321 Bietigheim-Bissingen
Tel. 07142-9788-0
Fax: 07142-9788-97
Mail: reisen@spillmann.de
Web: www.spillmann.de
Die Insel und das Wetter
Madeira ist wunderschön, und auf Grund der häufigen Regenfälle und der milden Temperaturen (wir hatten so um die 25°C) gibt es eine
überwältigende tropische Vegetation: Alles, was wir hier zu Hause mühsam im Blumentopf züchten explodiert dort quasi am Strassenrand. Die Insel ist relativ klein und
läßt sich mit dem Auto in ein bis zwei Tagen gut „erfahren“. Dazu bietet sich der Sonntag an, an dem die Tauchbasis geschlossen ist und/oder der Tag vor dem Heimflug.
Die Insel ist sehr bergig und eine Alternative oder Ergänzung zum Tauchen ist das Wandern, z.B. entlang der sogenannten „Levadas“; das sind alte Bewässerungskanäle,
die die ganze Insel durchziehen. Wir haben davon allerdings weniger Gebrauch gemacht und sind lediglich zum „Pico Riu“gewandert, dem mit 1862 m höchsten Punkt der
Insel. Das Wetter ist das ganze Jahr über mild; im Herbst gibt es allerdings zum Teil recht heftige Stürme, von denen wir aber glücklicherweise nur einen am Tag vor
unserem Heimflug erlebt haben. Es regnet allerdings gelegentlich, dann aber meist kurze, kräftige Schauer, nach denen dann wieder die Sonne scheint. Der Wind, der zu
dieser Jahreszeit doch häufig und dann oft ziemlich stark weht, ist manchmal unangenehm, bei Sonnenschein aber auch kein größeres Problem.
Fazit: Ein super Urlaub und ein empfehlenswertes Tauchgebiet!
Viele Grüße
Marion Wienrich
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